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Vollständige Version anzeigen : Meine Story


Eowyn, Heldin von Rohan
13.11.2005, 17:31
Ähem, also ich habe mal wieder eine Fantasy - Story geschrieben und mich würde mal interessieren, was ihr als "Experten" dazu sagt. Wer mag, kann ja mal reinlesen.

Ist bin gerade mit Schreiben fertig, ist also noch nicht perfekt...




Neuschnee


Winter. Kleine, weiße Flöckchen wehen in der Luft und lassen sich auf meinem Haar nieder. Der Boden unter meinen Füßen knackt und knistert bei jedem meiner Schritte leise. Ich liebe den Winter. Die anderen hassen ihn. Sie hassen ihn, weil er in diesem Jahr so früh gekommen ist. Er stellt Brighellas Plan auf eine harte Probe. Auch in diesem Moment gefährdet er mein Leben. Denn der Neuschnee, den er mit sich bringt, glitzert im Mondlicht und macht die Nacht mit ihrer sicheren Dunkelheit zum hell erleuchteten Tag. Dabei liebe ich doch gerade den Schnee. Ich finde, Neuschnee lässt, wenn er gerade gefallen ist, die Welt so rein erscheinen. Alles wirkt gut und gerecht, selbst hier, im Dorf der Feinde. Morgen wird das zweifellos anders sein. Wenn sie erst mit ihren klumpigen Füßen auf der weißen Schönheit herumgetrampelt sind, wird die Illusion verschwinden. Und wer weiß, wie wir den Schnee entstellen werden, wenn wir unser Vorhaben in die Tat umsetzen. Ich will nicht an diesen Tag denken, ich töte nicht gern. Doch wie sollten wir anders handeln? Wie sollte Brighella anders handeln? Als Anführer will er das Beste für unser Volk. Und Gutes ist uns in den letzten Jahren nicht widerfahren. Wann sie in unser Dorf eingefallen sind, alles niedergebrannt und uns tief in den Wald verbannt haben, weiß ich nicht. Ich bin geboren worden in der neuen Heimat, die wir vielleicht sogar akzeptiert hätten, wenn sie nicht nach uns jagen würden. Sie wollen uns vernichten, um alles für sich zu haben. Kein guter Grund, doch so sind sie, die Kahlen. Der Name, den wir ihnen gegeben haben, passt bestens. Denn sie scheinen sich sämtliche ihrer Haare auszureißen, selbst die Frauen entblößen so ihre ekelhafte Haut, so weiß wie die eines Wurms. Unwillkürlich werfe ich einen Blick auf mein volles, goldbraunes Haar. Es gibt nichts, das ich mehr an mir mag und mehr pflege. Womöglich ist das Eitelkeit, sei’s drum. Schließlich wäre ich ohne mein Haar Brighella vermutlich nie aufgefallen. Mein Haar und meine Stimme hatten es ihm angetan, als ich auf dem großen Konzert anlässlich des Luna-Tages für ihn sang. So habe ich unseren Anführer kennen gelernt. Brighella, der den aussichtslosen Angriff gegen die Kahlen führen wird, wenn ich diese letzte Chance nicht nutze.

An den gewöhnlichen Höfen vorbei, erreiche ich endlich die Mauer, hinter der ihre Herrscher leben. Ihre Herrscher und Kan. Wie immer steht eine Wache davor, ich glaube nicht, dass sie nach unserem Volk Ausschau hält, denn von uns erwarten sie keine Gefahr. Eher erwarten sie den Angriff von einem Clan ihrer eigenen Art, denn sinnlose Zankereien führen sie zum Spaß, und oft hören wir Todesschreie, wenn sie sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Doch auf eine Wache bin ich vorbereitet. Es ist bereits tiefe Nacht und der junge Kahle lehnt müde und lustlos an der Mauer. Im Winter gibt es so gut wie keine Angriffe, das weiß er. Genau der richtige Moment für mich leise, im Schatten der Bauernhäuser, den Boden entlang zu kriechen, mein Ziel vor Augen: Das kleine Loch in der Mauer, das vor über eine Jahr entstanden ist, aber ihnen viel zu klein vorkommt, um eine Gefahr darzustellen. Sie ahnen nicht wie klein mein Volk sich machen kann. Der Wind verwischt die Spuren, die ich im Schnee hinterlasse, sofort. Ich habe gerade die Hälfte geschafft, als ich Schritte höre. Wer kann noch unterwegs sein um diese Zeit? Eine böse Ahnung macht sich in mir breit. Dann ertönt seine Stimme. Er grüßt den Wächter freundlich, doch ich weiß, er ist der Tod. Verdammt! Warum gerade heute? Warum gerade er? Er wird mich sehen, wenn ich hier bleibe. „So spät noch unterwegs?“ höre ich den Wächter fragen. „Ja, ich geh’ mich mal am Waldrand umschauen. Habe das Gefühl, ein paar von ihnen sind in der Nähe.“ Wie sehr ich seine Stimme hasse! Sie klingt viel lauter, wenn er seinen Kumpanen brüllend Anweisungen gibt, uns zu umzingeln. Wir nenn ihn den Jäger, weil es ihm Spaß macht uns zu verfolgen und uns zu töten. Er wird mich bemerken! Mein Herz rast! Ein Blick und er wird mich bemerken! Noch unterhält er sich mit dem Jungen, jede Sekunde zählt! Die zweite Hälfte schaffe ich nicht mehr! Schnell! Ein Versteck muss her! Mein Blick fällt auf die Holzbretter, die an dem Bauernhaus neben mir lehnen. Das Dach sollte damit verdichtet werden, nun werden sie mich schützen. Ich rase hin, will mich dahinter pressen. Doch ich rutsche im Schnee aus und stoße daran. Und die Bretter fallen von der Wand. Sie fallen zu Boden und begraben mich unter sich. Das Braun meiner Haare vermischt sich mit dem Braun der toten Bäume. Mein Rücken schmerzt, doch ich wage nicht, mich zu bewegen. Denn er kommt.

Ich sehe es durch den Ritz zwischen zwei Brettern. Er kommt. Vor dem Haus bleibt er stehen und lässt seinen Blick darüber schweifen, bis er auf dem Bretterhaufen hängen bleibt. Er starrt mich an. Ich sehe sein Gesicht so nah wie nie zuvor. Die Nase – nichts als ein Fleischknollen mit zwei Löchern – und sein flaches, breites Maul werden vom Mond beschienen. Seine Augen lassen nicht von meinem Versteck ab, kleine grüne Pupillen, von unnatürlichem weiß umrandet, suchen nach etwas, nach jemandem, nach mir. Können sie mich sehen? Können seine Ohren mein Herz hören? Mir kommt es vor, als klopfe es so laut, dass es die ganze verdammte Meute hier in diesem Dorf aufwecken könnte. Kann er mich riechen? Ich kann die Luft nicht mehr anhalten und atme so kurz und leise wie möglich, dabei steigt mir sein ekelhafter Geruch in die Nase. Ich kämpfe gegen den Wunsch an, aus meinem Versteck heraus zu springen und zurück ins sichere Heim zu Brighella zu hasten. Doch seine Waffe würden mich sofort erfassen. „Was tust du denn da? Bloß weil der Wind ein paar olle Bretter umgeworfen hat. Ich dachte, du hast heute noch etwas vor?“ ruft der Wächter. Endlich! Der Jäger kehrt mir den Rücken zu. Nun sehe ich nur noch seine Beine, die schwankend davonstacksen – ein Wunder, dass die Kahlen auf diesen langen, knochigen Dingern überhaupt gehen können. Noch eine Weile bleibe ich in meinem Versteck, sein ekelhafter Gestank scheint mich noch immer zu umgeben. Nun ist mir wieder klar, warum ich sie so hasse. Dieser leere, und dennoch arrogante Blick lässt mich noch immer zittern. Kein Wunder, dass ich ohne Zweifel jenen glaubte, die behaupteten, es schlage in der Brust der Kahlen statt eines Herzens ein Steinklumpen, vom Teufel persönlich eingesetzt. Heute weiß ich es besser. Sie haben ein Herz. Zumindest Kan hat eines.

Doch ich glaube noch immer nicht, dass er einer von ihnen ist. Seine Augen sind nicht so leer, sein Körper nicht so steif, auch wenn seine Haut weiß und haarlos ist. Kan ist anders. Ich werde nie den Tag vergessen, an dem ich ihn getroffen habe. An jenem Tag, an dem der Mond am hellsten im Jahr leuchtet, dem größten Fest meines Volkes. Wir alle trafen uns, um gemeinsam zu singen, als sie kamen und unser Fest entehrten. Und eine ihrer Waffen traf mich am Bein, gerade so, dass ich noch mit Schmerzen laufen konnte. Und ich schleppte mich nicht zu den meinen, denn ich wusste, wenn meine Schritte langsamer geworden wären, hätte Brighella auf mich gewartet - denn mein Volk ist treu - und es wäre sein Verderben gewesen. So lief ich in die andere Richtung, bis ich nicht mehr konnte und eine Pause brauchte; ließ mich fallen und blieb liegen, als ich Schritte hörte. Kans Schritte. Die Schritte eines Kahlen. Ich richtete mich auf, um ihn meine Hilflosigkeit nicht sehen zu lassen und erkannte sofort: Er versuchte dasselbe. Es dauerte eine halbe Ewigkeit bis er sich traute, sich neben mich zu setzen, mich anzufassen bis er sich schließlich um meine Verletzung kümmerte. Er hatte sich verlaufen. Sein Volk hatte ihn in dieser Kälte zurückgelassen. Sein Volk ist untreu. Wir saßen eine Weile nebeneinander und redeten mit den Augen, da unsere Sprachen anders sind.
Und als mein Bein nicht mehr so schmerzte, stand ich auf und er folgte mir. Und ich brachte ihn zu seinem Dorf, das vor langer Zeit unseres gewesen war. Es war Nacht. Und er nahm mich zu sich und ich blieb bei ihm und er pflegte mich, bis die Sonne aufging und ich zu den Meinen zurückmusste.
Seitdem war ich oft bei ihm. Jedes Mal hat er mich gebeten, nicht wieder zukommen, doch jedes Mal, wenn ich zu ihm kam, wartete Essen auf mich. Und manches davon brachte ich den meinen, sagte nichts von meinem Freund, sagte, ich hätte es gestohlen aus ihrem Dorf. Und sie glaubten mir und feierte mich als Heldin, als Spionin. Nur deshalb haben sie mir gestattet ins Dorf zu schleichen, deshalb, und weil Brighella mich liebt. Sonst wäre diese Aufgabe einem anderen zugetragen worden, nein, sie hätte gar nicht existiert. Brighella, der als einziger von Kan weiß, gibt den Kahlen diese letzte Chance nicht weil er schwankt wie die anderen. Er ist bereit im Kampf zu sterben, auch wenn er weiß, dass wir nicht siegen werden. Er gibt ihnen eine Chance, weil ich es wünsche. Ich wünsche nicht, dass es zu diesem Krieg kommt. Ich wünsche nicht, dass Brighella und mein Volk wegen so einem sinnlosen Angriff sterben. Zum Teufel, es ist mir egal, was mit den Kahlen geschieht, aber ich möchte nicht, dass Kan stirbt. Kan muss fort von hier. Ich muss ihn noch in dieser Nacht von hier fortschaffen. Zu Brighella. Er und Brighella müssen miteinander sprechen. Vielleicht finden die beiden, die mir am wichtigsten sind, eine Lösung. Vielleicht...

Der Jäger ist nun schon lange fort und der Wächter lehnt im Halbschlaf an der Wand. Der Geruch des Jägers haftet noch immer an mir, als ich mich vorsichtig aus den Brettern schlängle. Zum Glück spüre ich kaum Schmerzen beim Aufstehen. Dann renne ich los. Durch den Schnee und durch die Öffnung in der Mauer. Die Häuser, an denen ich vorbeirase, verschwimmen vor meinen Augen. Eins – zwei – drei – im vierten lebt Kan. Endlich. Ich kratze dreimal an der Tür, ein seltsames Zeichen. Es dauert sehr lange bis er öffnet. Endlich sehe ich sein Gesicht. Er ist hässlich wie sie alle, doch seine Augen sind schön. So schön. Und traurig. Ich komme hinein, er beugt sich zu mir hinunter, denn er ist wie sie alle größer als wir, und fährt mir durch mein Haar wie es sonst nur Brighella tut. Wir setzen uns und schauen uns an. So verstehen wir uns noch immer am besten. Zwar haben wir inzwischen gelernt, die Sprache des anderen zu verstehen, doch sie aussprechen können wir nicht. Ich habe es versucht, doch es scheint, als wären selbst unsere Zungen so verschieden, dass wir die Worte des anderen nicht in den Mund nehmen können. In den Augen kann man leichter lesen. „Du siehst, ich bin besorgt.“ sagt er. Ja, ich habe es gesehen. „Hör zu: Stimmt es..., dass ihr unsere Leute, die im Wald Feuerholz gesammelt haben, angegriffen habt?“ – „Ihr habt schon Schlimmeres mit uns angestellt.“ sagen ihm meine Augen, er seufzt: „Ihr wollt euch also wirklich wehren. Das wird Ärger geben, das weißt du.“ Ich blicke zur Seite, als Kan plötzlich zu lachen beginnt: „Schon unglaublich! Bevor ich dich getroffen hab’, dachte ich, ihr hättet nicht mal Gefühle. Und jetzt merk’ ich sofort, wie es dir geht, selbst wenn du es zu verbergen versuchst.“ – „So ging es mir doch auch, Kan.“ Er seufzt wieder. „Irgendwie kriegen wir das schon hin.“ Kan streicht mir übers Haar und ich fühle mich sicher. Er ist weder so entschlossen noch so stark wie Brighella und trotzdem vergesse ich für einen Moment all die Sorgen, bis sie nah wie nie wieder auftauchen.

Durch ein Klopfen an der Tür. Kan zieht seine Hand wie ertappt zurück. Plötzlich ist alles still. Nur das energische Klopfen ist zu hören. Dann ertönt eine Stimme. Ich erstarre. Es ist die Stimme des Jägers. Du Närrin, er hat dich beobachtet! Deshalb ist sein Geruch nicht gewichen! „Kan, verdammt, ich weiß, dass du da bist! Öffne endlich!“ „Nein, Kan, tu’s nicht! Lass ihn nicht hinein, er ist der Feind! Er ist der Teufel! Verhalt dich still, bis er fort ist!“ versuche ich meinem Freund zu sagen. Doch er hat die Augen von mir abgewandt, er blickt zur Tür. „Kan, öffne die Tür!“ „Ist gut, ich komme!“ Es ist das erste Mal, dass Kans Stimme mich nicht beruhigt, sondern ängstigt. „Komm mit, schnell!“ zischt er mir zu und stößt mich in irgendeine Kammer. Er streicht mir noch einmal über die Haare und bittet mich, mich ruhig zu verhalten. Als ob, er mir das sagen müsste! Ich schließe die Augen, durch die Dunkelheit in diesem Zimmer sehe ich im Moment ohnehin nur graue Umrisse und ich will mich aufs Hören konzentrieren. Ich hörte wie sich Kans Schritte von mir entfernen und der Tür nähern. Ein, zwei drei, vier... Die Tür ist offen. Der Feind steht in Kans Haus. „Warum hat das so lange gedauert?!“ „Entschuldige, Vater, ich...“ Ich höre den Rest seiner Ausrede nicht mehr. Vater... Wie kann jemand wie der Jäger ein Vater sein? Wie kann jemand wie Kan sein Sohn sein? Wie...? „Wie geht es dir?“ Kans schöne Stimme übertönt meine Gedanken. „Ich weiß, sie ist wieder hier!“ „Wer?“ „Stell dich nicht dumm. Deine ‚Verehrerin’ aus den Wäldern. Du hattest versprochen, sie zu erschießen. Das ist deine Aufgabe, schon vergessen?“ Kan antwortet nicht. In meinem Kopf dreht sich alles. Drei Sätze des Jägers und nicht ist mehr so wie es wahr für mich. Und Kan antwortet immer noch nicht. Egal, was passiert, ich muss ihn sehen, muss ihm in die Augen sehen, muss wissen, ob der Jäger die Wahrheit sagt. Ich versuche die Tür zu öffnen, doch der Knauf liegt zu hoch. Ich springe, verfehle ihn. Bamm, meine Beine landen wieder auf dem Boden. „Ach, da hinten ist sie?“ Die Stimme des Jägers wird lauter, er nähert sich mir. Kan folgt schnellen Schrittes. „Vater, halt, ich weiß nicht mal wovon du redest!“ Das Monster kommt hierher. Ich muss mich verstecken! Der Schrank! Ich gebe der Schranktür einen leichten Schupps. Starrt mir das jemand entgegen? Jemand von den meinen? Die Tür geht auf, Licht fällt hinein. Es ist ein Kopf! Ein Kopf! Ich schreie, taumle zurück.

Die Zimmertür öffnet sich. Kan kommt herein. Ich presse mich unter den Tisch, als er sich zu mir beugt! „Hör zu, du musst keine Angst haben, ich würde dir nie etwas tun! Niemals!“ „Ich schon!“ Der Jäger knallt die Tür zu und stößt Kan zur Seite. Er holt ein Messer aus seiner Tasche. „Ein kleines, verängstigtes Weibchen! Das wird schnell gehen!“ Er holt aus, doch Kan geht dazwischen. „Warte, Vater, bitte!“ – „Herr Gott, Kan, was ist mit dir los! Das ist unser beider Arbeit, schon vergessen Du hast schon hunderte dieser Viecher getötet?“ Kan schiebt sich wortlos zwischen mich und seinen Vater und schaut mich endlich an. „Ist das wahr, Kan, ist das wahr?“ „Ja. Das ist meine Aufgabe. Hier, in meinem Volk habe ich sie zu verrichten, da mein Vater es tut. Ich wollte es dir sagen, so lange schon, aber ich wusste, du würdest nicht wieder kommen und ohne dich geht es nicht mehr.“ „Kan, du redest gerade mit einem Tier!“ In der Stimme des Jägers liegt weder Spott noch Hohn, eine kühle, sachliche Feststellung war diese Beleidigung in seinen Augen. „Vater, sie ist anders! Sie würde niemandem etwas tun! Ich habe das all die Jahre gemacht, weil ich dachte, sie wären eine Gefahr für uns, aber ich hab’ mich geirrt! Vater, ich...ich will das nicht mehr machen!“ Kan, heißt das, du wärst bereit mit mir zu gehen? Kan, du bist ist ein Mörder, doch du hast es getan, weil du dein Volk verteidigen wolltest. Habe ich nicht schon dasselbe getan? „Los, verschwinde! Schnell!“ Kan öffnet die Tür und stellt sich dem Jäger entgegen, als er mich aufhalten will. Ich schließe die Augen, weil ich den Kopf nicht ansehen will. Endlich raus aus diesem furchtbaren Kammer, blicke ich in das Zimmer, indem Kan und ich uns so oft unterhalten haben, als wieder die Stimme des Jägers ertönt: „Verdammt, und du willst mein Sohn sein!? Du bist es nicht wert! Eines dieser Monster in deinem Haus und du verteidigt es? Hast du vergessen, was mit deiner Mutter passiert ist?“ Dann schlägt etwas gegen die Wand, Kan schreit auf. Ich kehre um, renne zurück. Ich habe keine Angst mehr, denn ich weiß, was zu tun ist.

Der Jäger presst Kan noch gegen die Wand, als ich die Teufelskammer wieder betrete. Kan sieht mich sofort, bedeutet mir zu gehen. „Ich gehe nicht ohne dich, Kan!“ sagen ihm meine Augen und was man in den Augen liest, ist die Wahrheit. „Du bist es nicht wert...“ donnert der Jäger ein zweites Mal, als er mich plötzlich erblickt. Er lässt Kan los, der sackt wie ein Kartoffelsack in sich zusammen und blickt zu Boden. Was ist mit ihm? Ich starre ihn an. Sich in einer solchen Situation ablenken zu lassen, war dämlich, dass fühle ich schon wenige Sekunden später am eigenen Leib. Mein Herz und mein Atem rasen. Der Jäger spürt es, fest umklammert seine Hand meinen Hals, das Messer hält er fast zärtlich. Sein Gesicht ist nicht mehr rot vor Zorn, sondern weiß, sein Blick ist nicht mehr leer, sondern hasserfüllt. Er will mich wirklich töten. Nicht kurz und schmerzlos, er will mich leiden sehen. Ich versuche mich zu befreien, doch mir geht die Luft aus, und der Koloss ist stärker als ich. Wo bist du, Kan? Sein Lachen ist triumphierend.

Er beugt sich vor zu mir und blickt mir in die Augen und ich erkenne, was in ihm vorgeht. Ein letztes Mal, bevor er mich tötet, will er sich endgültig beweisen, dass er keine Angst vor meinem Volk hat. Will beweisen, dass er der Stärkere ist. Ein fataler Fehler. Der Jäger schreit. Ich presse meine Nägel so fest in sein Gesicht, dass es zu bluten beginnt. Sein Griff lockert sich, er lässt das Messer los. Meine Chance. Ich befreie mich, werfe ihn, der noch sein Gesicht hält, zu Boden und schaue ihn an, wie er eben mich angeschaut hat. Nein, du bist nicht stärker als ich! Er schleudert mich zur Seite, sofort richte ich mich auf. Er tut dasselbe. Sein Messer liegt hinter mir. Doch ich befürchte, dass er auch ohne Waffen stärker ist als ich. Keuchend stehen wir uns gegenüber, als ich hinter mir Schritte höre.
Es ist Kan. Endlich. Er stellt sich hinter mich. Egal was war, gemeinsam werden wir ihn schlagen. Ich werde sicherer, entschlossen starre ich den Jäger an. Nichts, kann er jetzt noch tun, was mich aus der Fassung bringen würde. Jetzt, wo Kan hinter mir steht. Er blickt ihn an. Vergiss es, ich bin dein Gegner! „Kan, nun schieß endlich!“ Ich erstarre. Ein Bluff, denke ich. Dann höre ich das Klicken hinter mir. Kan hält ein Gewehr auf mein Herz. „Hör zu, es geht nicht anders, verstehst du?!“ Er stottert. Ich antworte nicht. „Verstehst du?“ Ich blicke ihn an, blicke ihm in die nassen Augen. Ich weiß, du wirst mich nicht erschießen. Lass uns von hier verschwinden! „Verdammt, Kan, sie kann nicht sprechen! Schieß endlich!“ Er schreit weiter, wir beachten ihn nicht. Ich blicke ihn an, er blickt mich an. „Können wir...“ Ja, Kan, noch können wir das alles vergessen. Komm mit mir! Ich kann doch auch nicht ohne dich! Kan starrt sein Gewehr an. Ein Moment der Stille. Der Stille? Der Jäger schreit nicht mehr! Ich springe zur Seite, fahre herum. Sein Messer hat mich um Millimeter verfehlt. Verdammter Mörder! Lass mich in Frieden, lass Kan in Frieden!

Meine Wut macht mich stärker als ihn. Ich springe auf ihn, ich beiße ihn, ich schleudere ihn zur Seite. Verdammt noch mal, du bringst uns nicht auseinander! Da ertönt der Knall. Ich spüre den Schmerz nicht sofort. Doch ich weiß, er hat getroffen, denn mein goldbraunes Haar färbt sich rot. Kan. Kan hat auf mich geschossen. Er hat nicht mein Herz getroffen, zumindest nicht mit seinem Gewehr, denn nur das Haar an meinem linken Bein wird rot. Jenes Bein, das er damals verarztet hat. Ich schaue ihn an, doch ich schaue ihm nicht mehr in die Augen. Sondern nur auf die Waffe, er will noch einmal schießen. Die Erinnerungen an unsere Freundschaft verblassen, ich sehe nur noch einen von ihnen vor mir stehen, einen Feind, der meinen Tod wünscht, der mich verraten hat! Der Feind spricht zu mir, seine Stimme klingt belegt und traurig. Doch noch mal falle ich nicht auf ihn und seine Listen herein! Ich springe auf ihn. Er lässt seine Waffe fallen. Wieso? Ich weiß es nicht. Ich beiße zu, so fest wie ich kann in seine Schulter. Hass, Verzweiflung, Abscheu. Ich wollte sein Leben beschützen, doch er wollte meinen Tod, nun will ich den seinen. Doch der Jäger reißt mich von ihm. Ich knalle auf den Boden, meine Wunde schmerzt. Auf allen vieren eile ich zur Tür. Auf allen vieren, wie ich es am besten kann.

Draußen herrscht ein Schneesturm und die Flocken peitschen mir entgegen. Die beiden folgen mir. Die beiden Jäger, die beiden Schlächter, kahl, weil ihren Körper kein Haar wärmt. Ich bin schneller als sie. Vier Beine gegen zwei. „Mensch, schieß doch!“ höre ich den Vater des Mörders brüllen. ‚Mensch’, so nennen sie sich. Wie passend, dass sie selbst diese Wort als Beleidigung nutzen. Noch ehe sie die Hälfte der unbedeutenden Entfernung zurückgelegt haben, behindert der Schnee ihre Schritte. Ich wusste, er ist mein Freund. Ich lasse mich auf den Boden fallen, denn ich kann nicht mehr. Statt zu laufen beginne ich zu singen, zu heulen, zu schreien, so laut wie noch nie. „Verrat, Verrat! Holt sie! Holt sie!“ rufe ich zu meinem Volk, dem einzig wahren Volk. Und sie antworten. Brighella hat mich gehört. Das Geheul der Luft nimmt zu und mit ihm das Geheul der meinen. Die Verfolger, die mich inzwischen eingeholt haben, bleiben stehen, erstarren. Denn aus dem Wald kommt mein Volk mit schleichenden Bewegungen auf sie zu. „Krieg, Krieg, Krieg!“ singen wir unserem Mond entgegen.

Dol Amroth
14.11.2005, 14:31
Findsch gut

König aller freien Völker
22.03.2006, 20:03
Sehr gut, vor allem die Ortsberschreibungen und der Inneren Monolog der Hauptperson finde ich sehr ansprechend. Aber für mich persönlich ist die Person ein bisschen zu sehr "verträumt". An Deiner Stelle würde ich Inhalte, die man wissen muss, um die Story zu kapieren, wie z.B. die Geschichte der Clans als Prolog aufschreiben, in der Auktorialen Perspektive geschrieben, und nicht als Inneren Monolog. So ist die Vorgeschichte nämlich viel besser zu erzählen.
Mach weiter so, die Geschichte ist gut.

PS: Wenn du Zeit hast kannst du Dir ja auch mal meine Geschichte anschauen, zu finden im "Main Board" unter "Meine eigene HdR Fortsetzung".

Danke.

Ioreth
26.03.2006, 15:12
Wow! Find ich toll so. Mich reisst ja gerade der innere Monolog mit, auch wenn die Geschichte dadurch Schwieriger wird. Will mehr davon hören.
Bitte.

Hobbit Thorsten
27.03.2006, 22:39
Hmmh..Respekt..dolle Geschichte.;)

Eowyn, Heldin von Rohan
02.04.2006, 02:33
:) Freut mich wirklich, dass es auch gefällt. Wenn ich mal wieder was Schönes fertig habe, stelle ich's natürlich gern hier rein!

@ KafV (Argh! zu langer Name :p):
Wie stellst du dir so einen Prolog denn vor? Ich habe ja gerade in der Ich-Perspektive erzählt, damit das Ganze undurchsichtig ist. Wenn man die Geschichte des Clans zu Anfang genaustens und "sachlich" beschreiben würde, würde der Leser nicht viel zu früh erahnen, was für Wesen die Kahlen wirklich sind?

König aller freien Völker
02.04.2006, 14:30
Naja, ich würde mir das in etwa so vorstellen:

Im Jahre ... gab es nach hunderten von Jahren kein geeintes Königreich mehr, sondern nur noch verstreute Clans, die in den weiten der drockenen Steppen umherzogen.
Diese Clans waren wilde, babarische Krieger, immer dazu bereit den schwächeren Nachbarclan zu überfallen und dessen Mitglieder zu versklaven.
In dieser furchtbaren Zeit lebt .... eine Heldin aus dem ... Clan. Sie weiß es noch nicht, doch sie ist zu großem bestimmt, zu Taten, die das Anglitz dieser rauen Welt verändern werden.

Kapitel 1: ....

Als .... durch die Bretter der kleinen Holzhütte schaute,...

Eowyn, Heldin von Rohan
02.04.2006, 17:03
Nääää...
Verstreute Clans und wilde barbarische Krieger? Hört sich spannend an! Aber das ist nicht wirklich das, was ich mit meinem Text ausdrücken wollte. Die Kahlen sind ja nur aus der Sicht der Heldin barbarisch und müssen gar nicht wirklich so "böse" sein, sind halt Jäger. Außerdem ist es in meinen Stories nicht immer so, dass die Haupfiguren gleich die ganze Welt retten, sondern Abenteuer in ihrem Umkreis erleben, einen Teil dazu beitragen, vielleicht sogar scheitern oder sich entscheiden bei den ihrigen zu bleiben, weil ich das für viel "lebensnaher" halte. So wird es, glaube ich, auch nicht der Heldin dieser Story vergönnst sein, die raue Welt zu verändern. ;)

Bei der Holzhütte anzufangen ist allerding eine Idee...

König aller freien Völker
03.04.2006, 17:30
Sorry, aber ich glaub du hast mich falsch verstanden, das was ich geschrieben hab war nur ein Beispiel, angelehnt an deinen Text. Ich hätte auch schreiben können:

Vor ... Jahren lebte auf einem Käse eine Bazile mit Namen ... . Sie gehöhrte dem Stamm der Käsebakterien an, die im Streit mit den Käse-Schimmel Bakterien lagen.

Eowyn, Heldin von Rohan
04.04.2006, 14:35
Achso, alles klar. Weil's eben an meinen Text angelehnt war, dachte ich, es wäre direkt dafür gedacht.
Danke für die Anregung auf jeden Fall.

Ioreth
05.04.2006, 21:10
Also das ist natürlich Geschmackssache, aber mir hats Spass gemacht beim Lesen erst mal rauszurätseln worum es eigentlich ging. Bei so klaren Infos hätte ich es glaube ich nicht so spannend gefunden.
Wie können wir Deinen Namen abkürzen ohne Dich zu verletzen?

König aller freien Völker
06.04.2006, 12:46
Ihr könn´t mich einfach mit "König" abkürzen, wenn das euch nichts aussmacht. (Ich will mich ja nicht als Monarch dahrstellen ;) ).
Danke.
mfg
König

Eowyn, Heldin von Rohan
08.04.2006, 19:43
Ah, verdammt - zu spät gelesen. Gerade habe ich dich irgendwo wieder mit KafV angesprochen. Okay, ab jetzt also König. *verneig*

König aller freien Völker
10.04.2006, 17:31
*Danke treuer Untertan.* ;)

ne,ne kein Problem mit dem "verschreiber".

Kuduk
12.04.2006, 01:38
wieso nicht der könig? kann ich auch king fraggle sagen??? bitte!!

Euer Kuduk!!

König aller freien Völker
12.04.2006, 15:09
?????????????????
king fraggle
????????????????

woher hast du denn das ????

Also nun mal ehrlich ;),

!!!!!!!!!!!!!!!
DEVINITIV NEIN :(
!!!!!!!!!!!!!!!

Ich heiß nun mit Spitznamen "KÖNIG" und dabei bleibt es nun bitte, also KKEINE POSTs mehr zu meinem Namen !!!!!!!!!!!

Danke

Euer König

Hobbit Thorsten
13.04.2006, 00:42
*schmunzel*

Woelkchen
14.04.2006, 17:37
@Eowyn:
Also ich habs auch gerade gelesen und ich muss ich Ioreth da anschliessen. Ich fand es auch gerade so genau richtig.
Ich fand es sogar richtig gut.

Es war erstens tierisch spannend (ähm das tierisch soll keine Anspielung sein ;) ) und zweitens auch wunderbar ge- und beschrieben mit dieser Monologform. Sowas kann man zwar nicht ein ganzes langes Buch duruchhalten. Dafür müsste man entweder den Monolog etwas - hmmm wie soll ich sagen... vielleicht geht es doch, aber ein bißchen uneindringlicher machen. So wie du das geschrieben hast, ging das bei mir richtig bis ins Mark, dadurch dass man so mit ihr mitlebt in der Geschichte, aber ich fürchte, bei einem Buch, kann das zu viel werden. Da ich aber denke, dass du nicht gleich ein 300 Seiten langes Buch daraus machen willst, ist das ja hinfällig. Vielleicht irre ich mich aber auch ;)

Ich finds jedenfalls gut und außerdem ist das Ende gemein. Wirst du hier mal ne Fortsetzung davon posten?

Und "was" sind eigentlich die Behaarten? So eine Art liebe Werwölfe (NUR von Erscheinungsbild... also Wesen, die laufen können, aber eher auf allen Vieren gehen und natürlich intelligent und so weiter). Leben sie auch in befestigten Dörfern? Allsowas würde mich schon interessieren.
Ich hoffe du schreibst noch was, wo man etwas mehr über sie erfährt :)